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Henning Mankell

Digital Front Runner: OTTO 4.0 - 9 zentrale Elemente der Success-Story
19.03.2019 19:03
von Ira Rueder

Digital Front Runner: OTTO 4.0 - 9 zentrale Elemente der Success-Story

CHANGE 4 SUCCESS  |  Change Management Training Coaching Mediation

Wenn sich große Player auf den Weg machen und weitreichende Veränderungen einleiten, dann gibt es dazu einen triftigen Grund. Auch bei der Otto Group war es so. Im Geschäftsjahr 2014/15 fuhr die Holding erstmals in ihrer Geschichte ein Minus ein.

Bei der Aufarbeitung kam das Board zum Ergebnis:

  • Die Group schöpft die Synergien der Holding nicht aus.
  • Es gelingt nicht, das Potenzial der knapp 50.000 Mitarbeiter zu entfalten.
  • Ein Kulturwandel ist dringend notwendig: Sollte der Wandel nicht gelingen, ist Otto abgehängt. Der Konzern muss in der Lage sein, schnell & innovativ auf digitale Entwicklungen zu reagieren – oder noch besser: sie zu prägen.

Was Beschleunigung bedeutet, zeigt ein Beispiel exemplarisch: In den Hoch-Zeiten des Katalogs wurden die jeweils neuen Kataloge an Testkäufer versendet. Anhand der Bestellungen, die daraufhin eingingen, wurden die Lager gefüllt. Das dauerte oft Monate. Heute sind Artikel häufig nur drei Wochen aktuell. Entweder Otto gelingt es, das Zeitfenster zu nutzen – oder der Zug ist abgefahren.

Kaum fünf Jahre ist es her, dass Otto ein wahres Mammut-Projekt gestartet hat: Einen Kulturwandel, passend zu den Erfordernissen der Digitalisierung. Einen Umbau der Holding mit 123 Gesellschaften. Und das alles in einem Traditionsunternehmen mit Geschichte.

Die 9 Erfolgsfaktoren für einen gelingenden Wandel

1. Blick nach vorn

Zum Kulturwandel gibt es keine Alternative. Vorstand und Gesellschafter kommunizieren laufend, einhellig und unmissverständlich: Otto muss sich verändern. Anders wird der Konzern in der digitalen Welt nicht überleben. Der Blick ist vorwärts gerichtet, nicht zurück.

2. Visionär denken

Das neue gemeinsame Leitbild heißt: "Gemeinsam setzen wir Maßstäbe". Otto will nicht nur auf die Anforderungen des digitalen Wandels reagieren, sondern Entwicklungen mitgestalten. Das Leitbild erweitert den gedanklichen Horizont aller Mitarbeiter.

3. Gemeinsame Richtung, unterschiedliche Wege

In einer Holding mit über 100 Gesellschaften hat es keinen Sinn, alle Gesellschaften über einen Kamm zu scheren. Deshalb existiert weder ein vorgefertigtes Konzept noch ein Masterplan. Jede Gesellschaft darf ihren eigenen Weg finden.

4. Wir gehen schnell. Schritt für Schritt.

Wo hohes Tempo und Unsicherheit das Tagesgeschäft bestimmen, gibt es keine perfekt ausformulierten Konzepte mehr. Vielmehr setzen die Mitarbeiter von Otto auf schnelle Schritte und zügige Prüfung, ob diese den erwünschten Erfolg zeigen.

5. Experimentation: Fehler = Helfer. Lernkultur etablieren.

Erweisen sich Projekte oder Maßnahmen als weniger erfolgreich oder sogar als Fehlschlag, wird den Verantwortlichen daraus kein Strick gedreht. Vielmehr geht es darum, offen über den Fehler zu sprechen, zu lernen, eine Korrektur einzuleiten und nicht nur einer Fehler-Kultur sondern vielmehr eine Lern-Kultur zu etablieren.

6. Gemeinsam sind wir stark: Jeder ist Teil des Wandels. Jeder ist verantwortlich.

Jeder Mitarbeiter von Otto ist persönlich gefragt. Denn jeder hat das Potenzial, die entscheidende Idee beizusteuern, die den Konzern einen Schritt weiter bringt. Die Mitarbeiter sind deshalb aufgerufen, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge zu äußern und sie zu vertreten.

7. Empowerment: Raum geben

Einen Kulturwandel kann man nicht per Anweisung herbeiführen. Vielmehr erhalten die Mitarbeiter Zeit & Raum, ihre Zusammenarbeit neu zu organisieren. Die Kulturveränderung folgt daraus. Das Raum-geben wird von neuen Raum-Konzepten unterstützt.

8. Agile Tools anbieten. Nicht aufdrängen.

Agile Tools sind vielfach hilfreich und sogar erforderlich. Die Mitarbeiter haben Zugang zu agilen Tools, sie werden ihnen jedoch nicht aufgedrängt.

9. Zeichen setzen: Der Vorstand zieht um zu den Mitarbeitern

Große Veränderungen leben auch von sichtbaren Symbolen. Im neuen Hauptgebäude werden die Vorstände zu ihren Mitarbeitern auf die Fläche ziehen. Ihre Einzelbüros geben sie auf.

Es ist ein Gebot der neuen Arbeitswelt: Wo Führungskräfte vermehrt führen, erklären, kritisieren und loben, verlieren abgeschottete Einzelzimmer ihren Sinn. Wer bisher noch einen Beweis suchte, dass es den Verantwortlichen mit dem Wandel ernst ist: Hier ist er.

 

Quellen

Otto wird 4.0. Kulturwandel im Konzern. managerSeminare Heft 241, April 2018

Tutorial: Kulturwandel 4.0 im Konzern. managerSeminare Heft 241, April 2018

OTTO-Vorstände geben ihre Büros auf. Neue Sitzordnung: Die Vorstände werden im neuen Gebäude zu den Mitarbeitern „auf die Fläche" ziehen. https://www.otto.de/newsroom/de/kultur/otto-vorst%C3%A4nde-geben-ihre-b%C3%BCros-auf

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