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Henning Mankell

Google, Tesla, Uber: der innere Motor zukunftsforschender Unternehmen
20.04.2018 22:04
von Ira Rueder

Google, Tesla, Uber: der innere Motor zukunftsforschender Unternehmen

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Entscheidungen eine Richtung geben: Ziele setzen in der VUCA-Welt

Hat es Sinn, über Flugtaxis zu diskutieren, so lange Teile Deutschlands noch nicht einmal einen vernünftigen Internetanschluss haben?

Wer vorne mitspielen will, muss gross denken: Professor Müller-Friemauth von der FOM Hochschule und dem Forschungszentrum Technologie und Innovationsmanagement in Köln nennt überzeugende Gründe, weshalb wir mit dem Fokus auf dem Pragmatischen immer in der letzten Reihe stehen werden.

Viele Unternehmen sind vom Außen gesteuert: Sie wandeln sich, um sich an die Umwelt anzupassen. Wäre es nicht klüger, das Ruder in die Hand zu nehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten? Zukunftsforschenden Unternehmen gelingt dies, sagt Friederike Müller-Friemauth. Sie ist Professorin an der FOM Hochschule sowie Mitglied des Forschungszentrums Technologie und Innovationsmanagement.

Die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich! Die Zukunft gestalten – das will jeder! Doch in der wandelbaren, undurchsichtigen VUCA-Welt gestaltet sich auch die Zielsetzung anders, als wir es gewohnt sind.

Das klassische Zukunftsmanagement etwa erstellt Prognosen über die zu erwartenden Entwicklungen in der Zukunft. Davon leitet es Handlungsempfehlungen ab.

Zukunftsforschende Unternehmen machen es anders: Sie definieren einen wünschenswerten Zustand für einen Teil der Welt und fragen sich, was jeder dazu tun kann, um den Zustand zu erreichen.

Das Zukunftsbild ist derart in den Köpfen verankert, dass jeder Mitarbeiter in Futur II denkt: „In x Jahren wird dieses und jenes eingetreten sein.“ Über alle kleinteiligen Veränderungen im Alltag hinweg bleibt das große Ziel stabil. Deshalb sind die Unternehmen mit ihrer radikalen Hinwendung auf die Zukunft trotz aller Wandlungen im Inneren stabil.

Dieses Zukunftsbild hat einen Namen: MTP - Massive Transformative Purpose.

 

Gesucht: eine überragende, zukunftsweisende Idee

Trennen Sie sich von smarten Zielen und maßvollen Leitbildern. Gesucht ist ein MTP - eine starke, verbindliche und motivierende Idee. Unter drei Bedingungen entwickelt sie ihre Kraft:

Denken Sie groß

Google hat sich auf den Weg gemacht, das Wissen der Welt zu ordnen. Tesla treibt den Übergang zur nachhaltigen Mobilität an. Uber sucht nach dem besten Weg für Menschen, dorthin zu kommen wohin sie wollen. Diese drei Unternehmen wie auch andere zukunftsforschenden haben sich Gedanken darüber gemacht, wie Menschen der Zukunft über ihr Heute denken. So entstehen große, kühne, aufstrebende Zweckbestimmungen für die Unternehmen.

Dass diese Zukunftsbilder aus heutiger Sicht fantastisch anmuten, ist unwichtig.

Für die VUCA-Welt ist eine große Idee zweckdienlich: Sie ist extrem flexibel. Und auch im Falle eines extremen Unternehmenswachstums bleibt sie bedeutsam und es wert, erreicht zu werden.

Zukunftsforschenden Unternehmen geht es also nicht um Zielsetzungen im klassischen Sinne, sondern um Orientierung auf dem Weg.

Ordnen Sie sich ein

Die wenigsten Mitarbeiter werden es erleben, dass die große Unternehmensidee Wirklichkeit geworden ist. Der Planungshorizont für große und kleine Entscheidungen reicht deshalb über das eigene Leben hinaus. Vielmehr kommt es darauf an, das Überleben des Unternehmens auf lange Sicht zu sichern. Kurzfristige Umsätze, Gewinn, Optimierung, Effizienz und Effektivität müssen sich dem unterordnen. Auch vor den Führungskräften macht das langfristige Denken nicht halt. Im Zentrum eines zukunftsforschenden Unternehmens steht ein langlebiges System, nicht das Individuum.

Ein zukunftsforschendes Unternehmen organisiert sich zudem als Netzwerk. Es setzt auf die Autonomie und die Selbstorganisation der Mitarbeiter. Die Führung orientiert sich am organisationalen Führen. Dabei hat die Führungskraft die Aufgabe, bestmögliche Bedingungen für selbständiges Denken, Entscheiden und Handeln der Mitarbeiter zu gewährleisten. Alles weitere können die Mitarbeiter selbst, vor allem das Fachliche.

Für die Steuerung nutzt das Unternehmen eine umfangreiche Datenbasis. Gemessen wird alles, was sich messen lässt. Die Mitarbeiter orientieren sich an Algorithmen und Dashboards. Absolute Datentransparenz und Auswertungen in Echtzeit sind die Voraussetzungen.

Setzen Sie Trends

Bislang haben Trendforscher schwache Signale der Gegenwart in die Zukunft extrapoliert. Unternehmen nutzen diese Untersuchungen, um den aktuellen Wandel im eigenen Umfeld zu beobachten und für interne Zwecke zu nutzen. Sie wollen vorbereitet sein.

Für zukunftsforschende Unternehmen hat eine solche Haltung keinen Sinn, da sie die Zukunft gestalten wollen. Sie versuchen, die Geschäfts- und Veränderungslogik fremder Branchen per se zu verstehen und daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Aus dem Grund schauen sie nicht nur auf ihren Markt, sondern auch auf die Ränder. Ein Mobilitätsunternehmen etwa könnte sich zum Beispiel für die Entwicklungen der NASA interessieren.

Wie sie diese Radar-Aufgabe bewältigen, daraus machen zukunftsforschende Unternehmen ein großes Geheimnis. Über ihre Bewertungsschemata und Aufmerksamkeitspunkte sprechen sie nicht. Sicher ist nur so viel, dass die Europäer im Vergleich zu anderen Teilen der Welt noch aufholen dürfen und es ist alles andere als sicher, dass sie sich auf eine solche Gedankenwelt einlassen.

Quelle: Friederike Müller-Friemauth, Führen in Futur II. Zukunftsforscherische Management, managerSeminare Heft 240, März 2018.

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