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Henning Mankell

Konfliktklärung: Auf den 9 Stufen des Konflikts nach Glasl
10.09.2017 12:09
von Ira Rueder

Konfliktklärung: Auf den 9 Stufen des Konflikts nach Glasl

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Die neun Stufen der Konflikteskalation nach Glasl

Unter Kommunikationsexperten ist das Modell von Friedrich Glasl weit verbreitet und anerkannt. Es weist die Stufen eines Konflikts aus und nennt die Maßnahmen, die auf jeder Stufe Erfolg versprechen.

Konflikte eskalieren in neun Stufen. Je drei Stufen bilden eine Ebene. In Grafiken weisen die Stufen des Modells stets nach unten, denn in Konflikten gibt es keine Sieger.

Die Win-Win-Ebene

Zu Beginn spielt sich der Konflikt noch auf der Sachebene ab. Moderation und Prozessbegleitung sind probate Mittel, um den Konflikt zu lösen.

  1. Verhärtung

Erste Spannungen kommen auf. Meinungen und Standpunkte prallen aufeinander. Die Konfliktparteien werden sich ihrer Unterschiedlichkeit bewusst, doch nehmen sie ihre Diskussionen noch nicht als Konflikte wahr. Lager- oder Parteienbildung gibt es noch nicht, doch es kann zu Verhärtungen kommen.

  1. Polarisation & Debatte

Die Konfliktparteien überlegen genauer, wie sie ihren Kontrahenten von ihrer Meinung überzeugen. Ab und an kommt es zum Streit und man setzt sich gegenseitig unter Druck. Es beginnt ein Ringen um Unterlegenheit und Überlegenheit. Das Denken in Schwarz-weiß-Mustern beginnt.

  1. Taten statt Worte

Der Konflikt verschärft sich. Die Parteien brechen ihre Gespräche frustiert ab, da diese scheinbar nichts mehr bewirken. Man stellt sich gegenseitig vor vollendete Tatsachen und erwartet vom anderen, das eigene Unvermögen einzugestehen.

Das Einfühlungsvermögen für den anderen geht verloren. Im Zuge dessen, steigt die Gefahr von Fehlinterpretationen. Misstrauen und negative Erwartungen machen sich breit.

Die Win-Lose-Ebene

Der Konflikt hat die Beziehungsebene erreicht. Eine Moderation genügt hier nicht mehr. Mit einer Mediation oder Prozessbegleitung sind die Aussichten gut, den Konflikt zu deeskalieren.

  1. Sorge um Image und Koalition

Die Konfliktparteien werden zu Gegnern. Sie versuchen, Menschen aus ihrer Umgebung für ihre Position zu gewinnen. Böse Gerüchte machen die Runde. Um die Sache geht es schon längst nicht mehr: Jeder versucht, zu gewinnen.

  1. Gesichtsverlust

Die Moral geht vollständig verloren, der Vertrauensverlust ist komplett. Die Gegner wollen sich gegenseitig vernichten und schrecken auch vor Verleumdungen nicht zurück. Ziel ist der Gesichtsverlust und die Diskreditierung des Gegners.

  1. Drohstrategien

Die Gegner fangen an, Drohungen und Gegendrohungen auszusprechen. So wollen sie die Situation unter Kontrolle behalten. Oft stellen sie unerfüllbare Forderungen. Die Eskalation beschleunigt sich.

Die Lose-Lose-Ebene

In einem günstigen Fall kann eine Mediation auf der Stufe 7 noch etwas bewirken. In allen anderen Fällen steht eine Entscheidung an etwa durch ein Schiedsverfahren oder einen gerichtlichen Eingriff.

  1. Begrenzte Vernichtung

Mit der Menschlichkeit ist es jetzt vorbei. Die Gegner akzeptieren auch eigene Schädigungen, wenn nur der Schaden beim Gegner größer ist. Der Gegner wird zu einer Sache herabgestuft und nicht mehr als Mensch wahrgenommen.

  1. Zersplitterung

Der Gegner soll vollständig zerstört werden. Alle Varianten sind denkbar: physisch-materiell, seelisch-sozial oder geistig.

  1. Gemeinsam in den Abgrund

Der Gegner soll unter allen Umständen vernichtet werden. Die Gegner nehmen eigene Verletzungen bis hin zur Selbstvernichtung in Kauf.

Literaturtipps:
Konfliktmanagement - als Führungskraft Konflikten vorbeugen, sie erkennen und lösen. Heinz Jiranek/Andreas Edmüller (2003). Haufe Verlag.
Selbsthilfe in Konflikten: Konzepte - Übungen - praktische Methoden. Friedrich Glasl (2007). Haupt Verlag.
Konfliktmanagement: Ein Handbuch für Führungskräfte und Berater. Friedrich Glasl (2017). Haupt Verlag.

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