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Henning Mankell

Neuro-Leadership - gehirngerecht und perfekt führen in der Krise
10.05.2020 10:05
von Ira Rueder

Neuro-Leadership - gehirngerecht und perfekt führen in der Krise

CHANGE 4 SUCCESS  |  Change Management Training Coaching Mediation

PERFEKT führen? Geht das überhaupt?

Es sei vorangestellt: Wir finden, Führungskräfte sind auch nur Menschen! Und gerade in der aktuellen, weltumspannenden Situation stehen jeden Tag Herausforderungen und gleichzeitig zu treffende Entscheidungen für People Leader vor der Tür. Allerdings klingeln diese Herausforderungen nicht und warten geduldig auf Einlass, sondern sie stürmen quasi in unsere Unternehmen & Teams.

Wie entscheide ich und wie führe ich als People Leader denn – gerade jetzt – richtig? Nun, wir finden, eine Auseinandersetzung mit dem Ansatz des Neuro-Leadership, also dem gehirngerechten Führen, kann helfen und interessante Einsichten geben. Denn: Unser Gehirn hat ja im Moment eine ganze Menge zu tun, zu leisten und auch auszuhalten.

Neuro-Leadership – dieser noch eher junge Führungsansatz – geht zurück auf den Unternehmensberater David Rock und den Neurowissenschaftler Jeffrey Schwartz. Der Fokus liegt auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen: Wie tickt unser Gehirn? Was braucht es? Wie wende ich das in der Mitarbeiterführung an? Es geht also darum, mithilfe der Neurowissenschaften zu verstehen, was Mitarbeiter brauchen, um motiviert arbeiten, lernen und sich weiterentwickeln zu können – und schließlich, was People Leader aktiv tun können, um all dies positiv zu beeinflussen.

David Rock fasst die zentralen Werte, um die es im Neuro-Leadership geht, zusammen im SCARF-Modell:

  • Status - ich bin wertvoll, ich werde gebraucht
  • Certainty - ich bin informiert, ich weiss wo ich stehe
  • Autonomy - ich habe die Wahl, ich kann selbst entscheiden
  • Relatedness - ich gehöre dazu, ich bin Teil des Teams
  • Fairness - ich werde respektvoll und fair behandelt

Die Konstistenz-Theorie des Psychotherapeuten und Hochschullehrers Klaus Grawe (1943-2005) stellt hierbei 4 evolutionär angelegte psychologische Grundbedürfnisse des Menschen ins Zentrum. Das Bedürfnis nach

  1. Bindung
  2. Orientierung & Kontrolle
  3. Lustgewinn & Unlustvermeidung und
  4. Selbstwerterhöhung & Selbstwertschutz.

Nach Grawe weist jeder Mensch diese Grundbedürfnisse auf, deren Verletzung oder Nichterfüllung zur Schädigung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens des Mitarbeiters führen (vgl. Grawe 2004 nach Peters/Ghadiri 2013). Wichtig: Die Grundbedürfnisse bedingen einander und sind nicht isoliert zu betrachten.

Was bedeutet das? Verkürzt könnte man zusammenfassen: Mitarbeiter, die sich in ihrem Team bzw. Unternehmensozial integriert fühlen, Einfluss nehmen können, Rückmeldungen bekommen, die in ihren Stärken und Fähigkeiten bestätigt werden und darüber hinaus erfahren, dass sie sich weiterentwickeln & dazulernen können, sehen ihre Grundbedürfnisse erfüllt bzw. gewahrt. Ist dies der Fall, haben sie gute Bedingungen, motiviert und engagiert zu arbeiten & ihr Potenzial zu entfalten – und damit einen produktiven Beitrag zum großen Ganzen zu leisten.

Gut, soviel Sicherheit oder Kontrolle gibt es auf den ersten Blick im Moment vielleicht nicht. Und angenehm ist die Situation für viele möglicherweise auch nicht unbedingt. Und nun? Wie geht das dann in der Praxis?

Die Wissenschaftler und Forscher Prof. Theo Peters und Argang Ghadiri entwickelten das PERFEKT-Schema, mit dessen Hilfe People Leader die 4 menschlichen Grundbedürfnisse ihrer Mitarbeiter berücksichtigen und in ihrer Rolle als Neuro-Leader anwenden können – PERFEKT eben.

Das Akronym PERFEKT steht für 7 zentrale Anforderungen an Führung, die gleichzeitig auf die Erfüllung der psychologischen Grundbedürfnisse Bindung, Orientierung & Kontrolle, Selbstwerterhöhung & Selbstwertschutz sowie Lustgewinn & Unlustvermeidung abzielen.

PERFEKT bedeutet konkret:

P = Potenzialentfaltung des Mitarbeiters

E = Ermutigung für neue Lösungen und Wege

R = Rückmeldungen geben

F = Freiheit einräumen

E = Emotionales Führen

K = Kommunikation auf Augenhöhe

T = Transparentes Handeln

Diese Anforderungen sind also gleichermaßen Führungskompetenzen, die einen Neuro-Leader auszeichnen.

Das bedeutet – jetzt, in der Krise, und auch morgen und übermorgen – füllen Sie die Schlagzeile des lebenslangen Lernens mit Leben und legen Ihren Fokus auf (vielleicht noch unerkannte) Potenziale, Fähigkeiten und Ideen Ihrer Mitarbeiter. Ermutigen Sie Ihr Team, eigene Lösungen und vielleicht ganz quere Ideen für aktuelle Fragen oder auch neue Arbeitsprozesse zu finden. Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern den dafür erforderlichen Handlungsspielraum. Wer weiß, was dadurch zu Tage tritt?

Erkennen Sie – gerade jetzt – Ihre eigenen und die Gefühle Ihrer Mitarbeiter an und gehen auf diese ein. Und nicht zuletzt: Kommunizieren Sie offen, klar und transparent. Situationen und Sachlagen zu beschönigen, hilft niemanden. Mitarbeiter vor vermeintlich unangenehmen Wahrheiten zu „beschützen“, auch nicht. Und das hat mit Vertrauen zu tun.

By the way sowie zum guten Schluss: Laut einer aktuellen Umfrage der Jobplattform Stepstone, an welcher gut 5.000 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben, bewerten 71% der Befragten ihr Verhältnis zu ihrer Führungskraft als gut und vertrauensvoll.

Grundbedürfnis erfüllt, oder? Das sind doch gute Nachrichten – gerade jetzt.

 

Weiterbildung:

Sie wollen mehr zum Thema wissen? Sie möchten Neuro-Leader werden? In unserer ACADEMY 4 EXCELLENCE gibt es dafür folgende Weiterbildung:  #NeuroScience@Work - Experte für brain-based Leading & Learning, Live Online Seminar

 

Quellen:

  • managerSeminare, Heft 266; Ausgabe Mai 2020, S. 6.
  • Theo Peters/Argang Ghadiri, Neuroleadership – Grundlagen, Konzepte, Beispiele. Erkenntnisse der Neurowissenschaften für die Mitarbeiterführung. 2013

Literaturtipp:

  • Dr. Markus Ramming, Hirn-Anschalter. Neuroleadership 2.0, 2016

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